Ich arbeite mit folgenden therapeutischen Ansätzen:

Systemische Kurzzeittherapie nach Giorgio Nardone

Die philosophische Grundlage findet diese Therapie im (radikalen) Konstruktivismus: Man geht hier davon aus, dass der Mensch sich selbst seine Realität aufbaut und somit auch die Art festlegt, wie dieses Konstrukt gestört werden kann. Das Prinzip lautet: Jeder Mensch hat ein eigenes Wahrnehmungssystem der Realität und reagiert demzufolge ganz individuell auf diese. Die Herausarbeitung dieses Systems von Wahrnehmung/Reaktion des Patienten ist einer der ersten Schritte in der Therapie.

Wie der systemische Ansatz, orientiert sich die strategische Therapie am Hier und Jetzt und nicht an der Vergangenheit des Patienten, wie es bei Therapien mit psychodynamischerAusrichtung der Fall ist. Man sucht nicht nach dem vermeintlichen Grund des Problems, da man bei diesem Ansatz davon ausgeht, dass das Wissen darum weder das Symptom, noch die allgemein aufgezeigten Probleme des Patienten behebt. Im Gegensatz dazu versucht man herauszufinden, was der Patient bis dahin entwickelt hat, um sein Problem zu lösen. Aus diesen „versuchten Lösungen“ lässt sich herausarbeiten, was eine Veränderung verhindert.

Betrachtet man beispielsweise einen Menschen, der an Agoraphobie leidet, so ist dessen Lösung des Problems, sich ins Haus zu schließen und nicht mehr vor die Tür zu treten. Der Patient selbst, egal welches Symptom er nun hat, hält die eigene Lösung natürlich für wirksam. Vielleicht hat sie sich in der Vergangenheit auch schon mal als wirksam erwiesen oder hat ihm ganz einfach geholfen, es zu vermeiden, das Problem anzugehen. Doch, indem er an diesen ineffizienten Lösungen festhält, hält er tatsächlich das Problem aufrecht.

Nachdem das System Wahrnehmung/Reaktion des Betreffenden sowie dessen Lösungsansätze erarbeitet sind, werden ihm „Aufgaben“ verschrieben, die der Patient sehr gewissenhaft ausführen muss. Um sich seiner Mitarbeit sicher zu sein, verwendet man in der Therapie eine suggestive Sprache, die sich an die Hypnotherapie nach Milton Erickson anlehnt.
Die Verschreibungen oder Strategien mögen seltsam, bizarr oder paradox anmuten, doch es handelt sich dabei niemals um etwas Unmoralisches, Gefährliches oder mit Kosten Verbundenes. Die Vorstellung, die hier zugrunde liegt, ist das Erschaffen einer „korrektiven emotionalen Erfahrung“,wie sie 1946 von dem Psychoanalysten Franz Alexander in seinem Buch Psychoanalytic Therapy: Principles and Application (Ronald Press) beschrieben wird.

Kurz gesagt wird der Patient durch die Anwendung der vorgeschriebenen Strategie erst auf emotionaler, dann auf kognitiver Ebene in die Lage versetzt, eine neue, andere Realität zu erproben, als die, die er sich bis dahin aufgebaut hatte. Diese Erfahrung wird zum Ausgangspunkt für einen Wandel und somit für die Lösung seines Problems. Es wird also nicht nur das Symptom geheilt, sondern man arbeitet bis zu dem Punkt, an dem der Betroffene eine tiefere Veränderung der Wahrnehmung und damit der Reaktion entwickelt.

Wie der Name „Kurztherapie“ schon sagt, ist die Behandlungszeit einer Therapie verhältnismäßig kurz (unter 20 und durchschnittlich 7 Sitzungen). Mit Ausnahme des zweiten, der im Abstand von einer Woche erfolgt, finden die Termine im 2-Wochen-Rhythmus statt. Ist das Problem bereits gelöst, folgen Follow-ups mit ein bis zwei Monaten Abstand voneinander. Jede Sitzung hat eine im Voraus festgelegte Dauer, die sich im Rahmen von 20-50 Minuten bewegt. In jedem Fall ist die Therapie auf den einzelnen Patienten und seine Besonderheiten zugeschnitten.

Quellen Giorgio Nardone

Verhaltenstherapeutische Ansätze nach Milten H. Erikson

Erickson ist es zu verdanken, dass Hypnose in der Psychotherapie wieder häufiger eingesetzt wird, nachdem sie durch Sigmund Freuds Ablehnung lange Zeit in den Hintergrund gerückt war. Erickson entwickelte einen neuen Ansatz, der die Individualität betont und es daher notwendig macht, für jeden Klienten/Patienten einen besonderen Ansatz und Zugang zu finden. Damit stand Erickson im Gegensatz zu den bis dahin standardisierten Methoden, die bis in die 50er und 60er Jahre vorherrschten. Erickson betont ferner die positive Rolle des Unbewussten.

Anders als bei Freud ist für Erickson das Unbewusste eine unerschöpfliche Ressource zur kreativen Selbstheilung. Das Unbewusste ist der Hort von kaum genutzten Erfahrungen des Menschen. Ericksons Ansatz erhebt den Anspruch, die durch starre Denkmuster begrenzte Fähigkeit des Bewusstseins zu erweitern, indem der Hypnotiseur durch spezielle verbale und non-verbale Techniken es dem Unbewussten ermöglicht, die führende Rolle einzunehmen. Gleichzeitig soll es dem Bewusstsein ermöglicht werden, unbewusste Selbstheilungskräfte und kreative Ressourcen zu nutzen.

Erickson hatte großen Einfluss auf Therapeuten seiner Zeit und die Nachwelt. Er prägte Jay Haley, Paul Watzlawick, John Weakland und mit ihnen die gesamte Palo-Alto-Gruppe. Außerdem beeinflusste er die damals aufkommende Familientherapie und viele Schulen der systemischen Therapie, allen voran den lösungsfokussierten Ansatz von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg, die Provokative Therapie von Frank Farrelly und die Systemischen Strukturaufstellungen von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd. Die Gründer des NLP, Richard Bandler und John Grinder, studierten und kopierten seine Technik – ebenso wie die von Fritz Perls und Virginia Satir, um daraus NLP zu konstruieren. Sie haben die Art und Weise, wie Erickson mit hypnotischer Sprache arbeitete, in einem eigenen Modell, dem Milton-Modell, beschrieben.

Schon zu Lebzeiten hatte sich Erickson den Ruf eines Meisters der Hypnose erworben. Seine zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen haben die Auffassungen über Hypnose revolutioniert. Jeffrey Zeig und Ernest Rossi waren über viele Jahre Schüler von Erickson und haben Bücher mit ihm zusammen veröffentlicht. 1978, zwei Jahre vor seinem Tod, wurde die Milton H. Erickson Gesellschaft zu seinen Ehren gegründet, die bis heute in Phoenix das umfassendste Archiv seiner Arbeit beherbergt.[1] Erickson stand zudem in Kontakt zu Aldous Huxley, mit dem er Grenzbereiche der Psychologie erforschte.

Quelle Milton H.Erikson